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Fünf von Ernährungsfachleuten empfohlene Gründe für den Umstieg auf „Slow Juicing“

Frisch gepresste Säfte liegen im Trend – aber lohnt es sich wirklich, in einen Entsafter für zu Hause zu investieren? Auch wenn Säfte den Verzehr von frischem Obst und Gemüse niemals ersetzen sollten, können sie für Saftliebhaberinnen und Saftliebhaber eine köstliche und erfrischende Ergänzung der Ernährung sein und dazu beitragen, die Nährstoffaufnahme zu erhöhen. Das gilt insbesondere für Kinder, für die es oft eine tägliche Herausforderung ist, ausreichend Gemüse zu essen. Wenn das Entsaften zu einer gemeinsamen Familienaktivität wird, kann es Kindern dabei helfen, eine größere Vielfalt an Obst und Gemüse mit Freude zu entdecken! Wenn Sie sich erstmals mit dem Thema Entsaften zu Hause beschäftigen, sind Ihnen vermutlich Begriffe wie „Slow Juicing” oder „Zentrifugalentsafter” begegnet. Da fällt die Wahl der richtigen Methode nicht immer leicht. Keine Sorge – dieser Artikel erklärt aus ernährungswissenschaftlicher Sicht, warum ein „Slow Juicer“ eine wertvolle Ergänzung für Ihre Küche sein kann.

Was ist „Slow Juicing“ und wie funktioniert es?

Wenn Sie auf der Suche nach einem Entsafter sind, werden Sie wahrscheinlich zunächst auf klassische Zentrifugalentsafter stoßen. Diese gewinnen Saft mithilfe schnell rotierender Klingen. „Slow Juicer“ hingegen pressen Obst und Gemüse langsam aus, ähnlich wie beim Auswringen eines nassen Schwamms, und trennen dabei den trockenen Trester vom Saft.

Welche ernährungsphysiologischen Vorteile bietet „Slow Juicing“? Hier sind fünf Gründe, die zeigen, warum „Slow Juicing“ eine ausgezeichnete Wahl sein kann.

„Slow Juicing“:

1. Kann mehr Nährstoffe bewahren:

In der Welt des Entsaftens gibt es die Hypothese, dass „Slow Juicing“ mehr Nährstoffe bewahren kann. Der Grund dafür ist, dass die schnell rotierenden Klingen eines Zentrifugalentsafters mehr Wärme erzeugen und mehr Luft in den Saft einarbeiten. Dadurch könnten hitze- und sauerstoffempfindliche Nährstoffe wie Vitamin C teilweise verloren gehen.

Doch was sagt die Forschung über Slow Juicer im Vergleich zu Zentrifugalentsaftern? Die Unterschiede im Nährstoffgehalt hängen unter anderem davon ab, welche Obst- und Gemüsesorten entsaftet werden. „Slow Juicing“ kann dazu beitragen, gesundheitsfördernde Antioxidantien – also die „guten Inhaltsstoffe“ – besser zu bewahren. So enthält langsam entsafteter Brokkoli (ja, auch roher Brokkoli lässt sich entsaften) höhere Mengen an Polyphenolen und Flavonoiden (1). Beim Slow Juicing von Tomaten bleiben zudem mehr Vitamin C und Lycopin erhalten, ein wirksames Antioxidans, das Tomaten ihre intensive rote Farbe verleiht (2). Auch beim Entsaften von Trauben können mehr Vitamin C und Anthocyane erhalten bleiben, die ihnen ihre charakteristische violette Farbe verleihen (3). Vielleicht fragen Sie sich, weshalb „Slow Juicing“ einen nährstoffreicheren Saft liefern kann. Ob dies tatsächlich auf die geringere Wärmeentwicklung und den reduzierten Sauerstoffeintrag zurückzuführen ist, ist bislang nicht abschließend geklärt. Es ist jedoch bekannt, dass „Slow Juicing“ Nährstoffe besonders effektiv aus den Teilen von Obst und Gemüse lösen kann, in denen sie in hoher Konzentration vorkommen, beispielsweise aus Traubenschalen und -kernen (3). Vergleicht man „Slow Juicing“ mit industriell hergestellten, wärmebehandelten Säften, spricht vieles für frisch gepressten Saft. So kann handelsüblicher Orangensaft während der Wärmebehandlung und Lagerung bis zu 30 % seines Vitamin-C-Gehalts und bis zu 40 % seiner antioxidativen Kapazität verlieren (5). Kurz gesagt: Wenn Sie möglichst viele Nährstoffe erhalten möchten, ist frisch gepresster Saft die beste Wahl!

2. Mehr Saft, weniger Verschwendung: In der Europäischen Union werden jedes Jahr mehr als 58 Millionen Tonnen

Lebensmittel verschwendet – das entspricht ungefähr dem Gewicht von 10 Millionen Elefanten (6)! Umso wichtiger ist eine Entsaftungsmethode, die Lebensmittel möglichst effizient nutzt. Da Slow Juicer Obst und Gemüse langsam auspressen, erzielen sie nachweislich höhere Saftausbeuten als Zentrifugalentsafter mit ihren schnell rotierenden Klingen (7). Wenn Sie Ihre Zutaten optimal nutzen, erhalten Sie mehr Saft, sparen Geld und reduzieren gleichzeitig Lebensmittelverschwendung. Hinzu kommt, dass der verbleibende Trester beim „Slow Juicing“ deutlich trockener ist. So lässt sich nahezu alles weiterverwenden, beispielsweise für köstliche Rezepte wie diesen ballaststoffreichen Karottenkuchen.

3. Frischerer und fruchtigerer Geschmack: „Slow Juicing“ kann zu einer besseren Konsistenz und einem

gleichmäßigeren Erscheinungsbild beitragen, da der Saft gleichmäßig vermischt wird. Bei Zentrifugalentsaftern hingegen trennt sich der Saft häufiger, sodass sich Schaum und Luftblasen an der Oberfläche bilden können (8, 9). Darüber hinaus wird angenommen, dass Slow Juicer eine höhere Enzymaktivität bewahren können. Einige dieser Enzyme könnten Oxidationsprozesse verlangsamen und dazu beitragen, dass der Saft länger frisch bleibt (10).

Auch geschmacklich zeigen sich Vorteile: Sensorische Untersuchungen beschreiben frisch gepressten Granatapfelsaft als „natürlich fruchtig“, während frisch gepresster Orangensaft im Vergleich zu industriell hergestelltem Saft „natürlich süßere Fruchtnoten“ aufweist (11, 12).

4. Kann weniger Zucker enthalten, insbesondere bei gemüsebetonten Rezepten.

Wenn Sie Saft selbst herstellen, entscheiden Sie über die Qualität und Zusammensetzung Ihrer Zutaten selbst. Dabei greifen viele zunächst vor allem zu Obst, wodurch der Zuckergehalt schnell ansteigen kann. Da derzeit empfohlen wird, den Konsum von Fruchtsaft auf 150 ml pro Tag zu begrenzen, ist ein höherer Gemüseanteil eine einfache Möglichkeit, einen ausgewogeneren und nährstoffreicheren Saft mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen zuzubereiten und gleichzeitig den Zuckergehalt zu reduzieren.

Auch gekaufte Kindersäfte enthalten häufig viel Zucker. Wenn es Ihren Kindern schwerfällt, ausreichend Gemüse zu essen, können Sie beispielsweise Spinat in selbst gemachtem Apfelsaft oder Karotten in frisch gepresstem Orangensaft integrieren. So erhält der Saft nicht nur zusätzliche Nährstoffe, sondern die Kinder gewöhnen sich nach und nach auch an weniger süße und etwas herzhaftere Geschmacksrichtungen. Eine einfache Möglichkeit, die Ernährung aufzuwerten – ganz ohne Aufwand!

5. Eine köstliche Möglichkeit, den Körper mit Flüssigkeit und Nährstoffen zu versorgen.

Auch wenn Saft die gesundheitlichen Vorteile von ganzen Früchten – insbesondere deren Ballaststoffgehalt – niemals ersetzen kann, beschäftigen sich aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen mit den besonderen Eigenschaften verschiedener Säfte. So wird beispielsweise erforscht, welche positiven Effekte Rote-Bete-Saft auf die Ausdauerleistung, Heidelbeersaft auf die Gehirnfunktion und Tomatensaft auf die Herzgesundheit haben kann (13, 14, 15). Wenn Sie sich einen frischen, strahlenden Teint wünschen, kann auch Slow Juicing eine gute Ergänzung sein. Neben der Flüssigkeitszufuhr können Sie Zutaten wählen, die für ihre hautfreundlichen Eigenschaften bekannt sind, wie beispielsweise Beta-Carotin-reiche Karotten, Vitamin-C-reiche Kiwis oder antioxidatienreiche Beeren. Ein weiterer guter Grund, diese Säfte selbst auszuprobieren.

Die besten Tipps einer Ernährungsfachkraft für Slow Juicing zu Hause:

● Setzen Sie auf Gemüse. Wenn es Ihnen schwerfällt, ausreichend Gemüse zu essen, ist „Slow Juicing“ eine köstliche Möglichkeit, mehr Gemüse in Ihren Speiseplan zu integrieren und Ihren Morgen mit einer Extraportion guter Nährstoffe zu beginnen. Wussten Sie, dass Brokkoli und rote Paprika pro 100 g tatsächlich mehr Vitamin C enthalten als Orangen? Beide Gemüsesorten eignen sich hervorragend als Zutat für grüne und orangefarbene Säfte. Sie sorgen für einen intensiven Geschmack, wertvolle Nährstoffe und eine leuchtende Farbe. Nutzen Sie auch die Zucchinisaison, denn Zucchini bilden eine hervorragende Grundlage für einen erfrischenden grünen Saft. Wenn Sie etwas Neues ausprobieren möchten, geben Sie für eine feine Lakritznote Fenchel hinzu oder verwenden Sie Rote Bete, um Ihrem violetten Saft eine besonders intensive Farbe zu verleihen!
● Nutzen Sie die Kraft der Zitrone: Sie sorgt nicht nur für einen erfrischenden Geschmack, sondern wirkt auch als natürliches Konservierungsmittel und verlangsamt die Oxidation. So bleibt Ihr Saft länger frisch und behält seine leuchtende Farbe. Das Entsaften einer Zitrone ist ganz einfach: Entfernen Sie lediglich die Schale und die weiße Innenschicht und geben Sie die Zitrone anschließend in den Entsafter!
● Experimentieren Sie mit Saft: Geben Sie beispielsweise Rote-Bete-Saft in Ihre Tortilla-Wraps, Ravioli oder sogar dieses auffällige Dinkelbrot, um ihnen einen attraktiven roten oder violetten Farbton zu verleihen!

Zum Abschluss …

Wenn Sie darüber nachdenken, zu Hause mit dem Entsaften zu beginnen, kann ein „Slow Juicer“ eine praktische Möglichkeit sein, um die Nährstoffaufnahme zu erhöhen, mehr Gemüse in Ihre Ernährung zu integrieren, frischen Geschmack zu genießen und das Beste aus Ihrem frischen Obst und Gemüse herauszuholen!

Quellen:

1.https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3892506/
2.https://www.researchgate.net/publication/270596389_Quality_evaluation_of_fresh_tomato_juices_prepared_using_high-speed_centrifugal_and_low-speed_masticating_household_juicers
3.https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6049554/
4.https://www.researchgate.net/publication/11061181_Comparison_of_the_nutrient_content_of_fresh_fruit_juices_vs_commercial_fruit_juices
5.https://academic.oup.com/ijfst/article/46/10/2182/7866735
6.https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Food_waste_and_food_waste_prevention_-_estimates
7.https://ojs.wiserpub.com/index.php/FSE/article/view/3849
8.https://www.researchgate.net/publication/270596389_Quality_evaluation_of_fresh_tomato_juices_prepared_using_high-speed_centrifugal_and_low-speed_masticating_household_juicers
9.https://ojs.wiserpub.com/index.php/FSE/article/view/3849
10.https://www.chrisbeatcancer.com/wp-content/uploads/2011/05/other-juice-extractor-comparison-2007.pdf
11.https://hero.epa.gov/reference/6924605/
12.https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1082013208094723
13.https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5295087/
14.https://journals.sagepub.com/doi/10.3233/NHA-180056
15.https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6657743/

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Lily Soutter

Lily Soutter

Lily Soutter ist eine führende, in London lebende Ernährungswissenschaftlerin. Ihr fundiertes Wissen der Ernährungs- und Gesundheitswissenschaft teilt sie gern in Beiträgen und Fernsehsendungen zur besten Sendezeit. Dabei ist es Lilys Leidenschaft, die Wissenschaft rund um die Ernährung zu vereinfachen, Gesundheitstipps zu geben und kluge Ernährungsstrategien zu entwickeln. Auf diese Weise möchte Lily möglichst vielen Menschen helfen, einen gesunden und vorteilhaften Lebensstil zu erreichen.